"50 Jahre Karl-May-Filme"
Unter diesem Motto feierte die Karl-May-Szene ein Stück deutscher Filmgeschichte. In Anwesenheit zahlreicher Stargäste trafen sich Karl-May-Fans aus vielen europäischen Ländern zur vom Karl-May-Archiv organisierten Jubiläumsveranstaltung im Hollywood-Media-Hotel in Berlin. Die vier Tage waren mit Podiumsdiskussionen und zahlreichen Filmbeiträgen gespickt, den Höhepunkt bildete der große Galaabend am Samstag. Neben den offiziellen Programmpunkten machen für mich allerdings das Wiedersehen und die persönlichen Gespräche mit den Fans untereinander den größten Reiz aus. Dazu bestand hier reichlich Gelegenheit. Es war schön, wieder auf zahlreiche Bekannte zu treffen und sich mit diesen auszutauschen, sowie neue Kontakte zu knüpfen.

Beruflich bedingt konnte ich dem "Kroatien-Abend" am Donnerstag leider nicht beiwohnen. Schade, denn hier berichteten Drehortkenner von ihren Erfahrungen und Entdeckungen auf ihren Reisen. Am Freitagabend berichteten Wolfgang Hantke (1. Aufnahmeleiter in 3 Winnetoufilmen) und Joachim Gitt (Kameraassistent in 6 Winnetoufilmen) anhand von Dreharbeitenfotos, die Michael Petzel aus seinem Archiv mitgebracht hatte, von ihren Erlebnissen und dem Leben am Set. Anhand der gezeigten Fotos wurde mir wieder bewusst, welche Schätze im Archiv für die Meisten von uns verborgen liegen. Ich hoffe, dass es uns Fans vereint gelingt, Michael Petzel zu überzeugen, diese Dokumente der Karl-May-Filmgeschichte der breiten Fangemeinde zugänglich zu machen.
Anschließend folgte noch ein Interview mit Meinolf Pape, der seit 49 Jahren in Elspe bei den dortigen Karl-May-Festspielen auf der Bühne steht. Der Ausklang des Abends fand auf der Terrasse der Hotelbar vor dem Hotel auf dem Kurfürstendamm statt. Hier konnte man in einer lauen Sommernacht ganz nebenbei das Weltstadtflair genießen. Auf der Flaniermeile tummelten sich mitunter skurrile Personen. Auch Autofreaks kamen auf ihre Kosten, donnerten doch immer wieder teure Sportwagen vorbei.

Am Samstagnachmittag folgten zwei erwähnenswerte Filmaufführungen. Zunächst wurde auf vielfachen Wunsch wieder der Film "Hinter den Kulissen der Winnetou-Filme" gezeigt. Dieser Film hatte beim Karl-May-Fest vor 3 Jahren seine Prämiere. Er ist mit seinen 45 Minuten Laufzeit aus dem privaten 8-mm-Filmmaterial des Requisiteurs Otto Fechtner das wohl bedeutendste Zeitdokument der Dreharbeiten aus den 60er Jahren. Leider ist dieser Film nicht käuflich erwerbbar. Auch in diesem Fall bedarf es noch einiger Überzeugungsarbeit, dass das Karl-May-Archiv uns Fans diesen Film zur Verfügung stellt. Anschließend folgte die Prämiere eines privaten Films von Hans-Werner Fries. Seine Eigenproduktion "Der letzte Indianer von Plitvice" hatte bereits im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt. Es ist bekannt, dass die Bewohner der umliegenden Dörfer als Statisten und Komparsen für die Winnetouproduktionen rekrutiert wurden. Aus Bauern, Viehhütern und Hausfrauen wurden Indianer und Banditen. In den Besetzungslisten, im Vor- oder Abspann der Filme tauchen sie namentlich nicht auf. Sie blieben bis heute anonym. Nicht so Vajo Grpic, Komparse im Film "Der Schatz im Silbersee". Mit seinem Film hebt Hans-Werner Fries ihn stellvertretend für alle aus der Anonymität heraus.
Mit dem inzwischen verstorbenen Vajo Grpic und seiner Familie verband Hans-Werner Fries eine lange Freundschaft. In seinem Film bringt Hans-Werner Fries auf hervorragende Weise die Schönheit des Nationalparks Plitvicer Seen und die Dreharbeiten zum Film "Der Schatz im Silbersee" mit der Lebensgeschichte seines Freundes in Einklang. Im bis auf den letzen Platz gefüllten Kinosaal des Hotels war es mucksmäuschenstill, ein untrügerisches Zeichen dafür, welchen Eindruck dieser sehr emotionale Film hinterlässt. Mit seinem Werk hat Hans-Werner Fries in erster Linie ein Dokument für die Nachkommen seines Freundes Vajo geschaffen, aber darüber hinaus weist dieser Film den zahlreichen unbekannten Statisten und Komparsen den Platz zu, den sie verdienen. Denn auch sie haben nicht unwesentlich zum Erfolg der Winnetoufilme beigetragen.

Die nächsten Programmpunkte waren ein Interview mit Mario Hallhuber (Zeitschrift "Bravo") und eine Podiumsdiskussion mit Heinz Hölscher (Kamera in zwei Winnetoufilmen), Eberhard Dycke (Kameraführung in 2 Winnetoufilmen) und wiederum Joachim Gitt (Kameraassistent in 6 Winnetoufilmen). Für uns Fans immer interessant, unsere Fragen aus erster Hand beantwortet zu bekommen.

Beim großen Galaabend konnten wir dann zahlreiche Stargäste begrüßen. Martin Böttcher (Komponist der legendären Winnetoumelodie und der Musik zahlreicher Karl-May-Filme), Riz Ortolani (Filmmusik "Old Shatterhand"), die Schauspieler und Mitwirkende in den Karl-May-Filmen Chris Howland, Gojko Mitic, Djordje Nenadovic, Bill Ramsey und Ingeborg Schöner sowie den Filmproduzenten Artur Brauner.

Am Sonntag folgte zunächst die Aufführung des Films "Der Schatz im Silbersee" in der Astor Film-Lounge am Kurfürstendamm. Im Vorprogramm wurde erstmals die 7. Folge der TV-Serie "Mit Karl-May-im Orient" gezeigt. Dieser 1961 im Studio entstandene SW-Kurzfilm bildete einen großen Kontrast zum "Schatz im Silbersee" mit seinen farbenprächtigen Aufnahmen im damaligen Jugoslawien.
Zum Abschluss stand dann noch ein Besuch der CCC-Filmstudios auf dem Programm. Leider verfallen diese zwar noch in Betrieb befindlichen Hallen zusehends. Ein Einblick in die Studios 3 und 4, in denen damals die Studioaufnahmen der Karl-May-Filme entstanden, war dennoch hoch interessant. Unter dem aufnehmbaren Hallenboden des Studio 4 befindet sich ein Wasserbecken, in dem die Floßszenen vor der Rückprojektionswand im "Ölprinzen" entstanden. Im Keller befinden sich die Fenster für das Filmen von Unterwasserszenen (u.a. verwendet in "Der Schut"), die Aufenthaltszimmer für die Schauspieler, sowie die Räume der Maske. Eine Besteigung des "Teufelsbergs" musste ob eines Gewitters leider entfallen. Auch der verwilderte Außenbereich fand unser Interesse, wurde in den Büschen direkt neben den Gebäuden doch die Szene des Kampfes zwischen Old Surehand und Knife im "Ölprinzen" nachgedreht.

Gegen 17:00 Uhr ging die Veranstaltung mit der Rückkehr zum Hotel zu Ende. Es war ein gelungenes Event, wenn auch spektakuläre Highlights wie bei der Convention im Juni in Paklenica fehlten.

 

Jubiläumsveranstaltung Berlin 2012
Jubiläumsveranstaltung Berlin 2012
Jubiläumsveranstaltung Berlin 2012
Jubiläumsveranstaltung Berlin 2012
Jubiläumsveranstaltung Berlin 2012
Der Bravo Otto
Hans-Werner Fries erläutert seinen Film - Der letzte Indianer von Plitvice
Eingangstafel zu den CCC-Filmstudios
CCC-Filmstudios in Berlin
CCC-Filmstudios in Berlin CCC-Filmstudios in Berlin - Studio 4
CCC-Filmstudios in Berlin - Studio 3

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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