Die Drehorte heute

Der bekannteste Drehort sind sicherlich die Plitvicer Seen. Dieser Nationalpark zieht jährlich hunderttausende Besucher an. Hier befindet sich natürlich der Silbersee mit der Schatzhöhle aus dem Film „Der Schatz im Silbersee“.

Die schönsten Drehorte sind m.E. aber Parizevacka glavica (das Puebloplateau) am Zrmanja-Canyon (im Film der Rio Pecos), sowie der Tulove Grede am Mali Alan-Pass (im Film der Nugget-Tsil) im Velebitgebirge. Aufgrund der atemberaubenden Landschaft wurde an diesen Orten immer wieder in fast allen Filmen gedreht.

Neben den Plitvicer Seen sind auch der Krka-Nationalpark mit seinen Wasserfällen und der Paklenica-Nationalpark mit seinen tiefen Schluchten landschaftlich wunderschön. Absolut sehenswert ist zudem die Altstadt von Trogir („Santa Fe“ in „Winnetou III“).

Diese Drehorte erkennt man sofort. Andere kann man anhand von Filmszenen erkennen, indem man die markanten Details (Felsen, Wasserfälle, Höhenzüge am Horizont etc.) eines Filmfotos mit der Landschaft vergleicht. Andere sind heute nur noch sehr schwer, bzw. fast gar nicht mehr oder nur mit viel Fantasie zu erkennen.

Immerhin sind seit den Dreharbeiten über 40 Jahre vergangen. In dieser Zeit hat sich die Landschaft wesentlich verändert. Bäume, Büsche und Sträucher sind gewachsen. Straßen wurden gebaut, insbesondere die Autobahn, und Trampelpfade wurden mittlerweile geteert oder sind zugewachsen. An manchen Orten stehen Telegrafenmasten im Weg, wurden Steinbrüche zugeschüttet. Ein neues Zementwerksgebäude, ein Busbetrieb und ein ganzes Industriegebiet haben Drehorte unwiederbringlich ausgelöscht. Auch der Krieg hat einiges verändert. So wurden u.a. die Schleierfälle beschossen, Kriegsreste, zerstörte Häuser und Bunkeranlagen gehören auch Jahre nach Kriegsende noch zur Tagesordnung. Zum Teil können oder sollten Drehorte wegen noch immer unklarer Minensituation nicht betreten werden. Wie in fast allen südeuropäischen Ländern wird der Umweltschutz nicht allzu sehr beachtet. So liegt an einigen Drehorten soviel Unrat, dass man sich kaum traut, diese zu betreten.

Gebäude, die als Kulisse dienten und speziell aufgebaut wurden (Pueblo, Forts, Farmen, Westernstädte) stehen selbstverständlich nicht mehr, auch nicht in Resten. Teilweise kann man noch Fundamente finden, aber die sind garantiert überwuchert. Wiesen wurden z.B. mit künstlichen Kakteen zur Prärie umgestaltet, Sträucher, die im Wege standen gerodet, geteerte Straßen mit Sand abgedeckt usw., so dass im Film ein anderes Bild geschaffen wurde als es sich heute ergibt. Benutzte Bäume, etwa der Totenbaum Klekih-Petras, oder spezielle Felsen, insbesondere der Turmfelsen im „Der Schatz im Silbersee“, waren ebenfalls Requisite, so dass diese heute vor Ort nicht gefunden werden können.

Die Drehorte einer in sich geschlossen wirkenden Szene können kilometerweit auseinander liegen. Jeder Schnitt kann durch einen Wechsel des Drehorts hervorgerufen sein. So reitet z.B. der Schwarze Adler am Anfang von „Winnetou I“ am Tulove Grede los, weiter über die Hochebene von Obrovac zunächst am Bauxitwerk, dann am Zrmanja Canyon vorbei, über das Wellental in Platak ins Nebental von Grobnik-polje um schließlich auf den Wiesen an der Manojlovacki-Schleife der Krka von Santer und seinen Banditen getötet zu werden. Bei den Fahrten der Postkutschen oder dem Treck in „Winnetou I“ verhält es sich ähnlich. Am gravierendsten, weil von den Landschaften absolut nicht zusammen passend, ist die Schlussszene des „Der Schatz im Silbersee“. Reiten eben noch alle über die saftig grüne Wiese am Kozjak-See in Plitvice, winken Fred und seine Freunde alsdann auf der kargen Hochebene bei Obrovac zurück. Winnetou und Old Shatterhand erwidern den Abschiedsgruß vor den Felsen der Paklenica-Schlucht.

Dagegen besonders gut zusammengeschnitten ist u.a. eine Szene in „Old Surehand“. Als die Komantschen merken, dass Judith und Toby von den Marterpfählen befreit wurden, läuft ein Indianer am Ufer der Cetina bei Radmanove mlinice einen kleinen Hang hinauf und auf der anderen Seite im Zementwerk in Solin bei Split wieder hinunter ins Lager. Hier merkt man überhaupt nicht, dass die Drehorte weit auseinander liegen. An vielen Drehorten konnte wegen der Landschaft nur in eine Richtung gedreht werden. Die sog. „Gegenschüsse“ in die andere Richtung wurden dann an anderen Orten gemacht. So z.B. in Soboli. Hier merken die Tramps (dSiS), dass sie schon mal an diesem Felsen vorbeigekommen sind. Die Kamera steht mit Blick auf Platak. Im Gespräch mit Fred Engel erfolgt der Gegenschuß, die Großaufnahme von Cornel Bringley, am Zrmanja Canyon bei Obrovac.

Die Drehorte der Winnetoufilme sind weitestgehend erforscht. Nur der Ort an dem Forrester in „Winnetou II“ sein Ende findet war lange Zeit verschollen. Er klettert zwar aus der Höhle durch ein Loch in der Höhlendecke hinaus, die Landschaft darüber ist aber keinesfalls direkt über der Höhle in Postojna. Mir ist auch nicht bekannt, ob sich ein derartiges Loch überhaupt in der Decke der Höhle befindet. Erst im Frühjahr 2009 wurde dieser Drehort in der Nähe von Stobrec endlich wieder entdeckt[1].

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[1] vergl. Karl May & Co. – Das Karl-May-Magazin, Ausgabe August 2009, Seite 60-61

 

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